Ein Freund postet ein Gruppenfoto von einem Abendessen, das du ausgelassen hast. Das Essen sieht mittelmäßig aus, das Restaurant ist nichts Besonderes. Aber trotzdem zieht sich etwas in deiner Brust zusammen.
Dieses Zusammenziehen hat einen Namen. Fear of Missing Out (FOMO) ist das ängstliche Gefühl, dass andere bereichernde Erfahrungen machen, an denen du nicht teilhast. Die Forschung zeigt, dass es weniger mit der Erfahrung selbst zu tun hat, als du denkst.
Es geht nicht um das Event
Eine Reihe von sieben Experimenten mit über 5.000 Teilnehmern untersuchte, was FOMO tatsächlich auslöst. Solo-Aktivitäten, selbst aufregende, lösten fast kein FOMO aus. Aber wenn dieselbe Aktivität Freunde einschloss, die gemeinsam etwas erlebten, schoss FOMO in die Höhe. Sogar unangenehme Gruppenaktivitäten erzeugten mehr FOMO als angenehme Solo-Aktivitäten.
Was dein Gehirn verfolgt, ist nicht der Spaß, den du verpasst hast. Es ist die soziale Bindung, die ohne dich stattgefunden hat, und die Sorge, dass sich deine Beziehungen dadurch verändern könnten.
Frühere Forschung, die auf der Selbstbestimmungstheorie (Self-Determination Theory) basiert, ergab, dass Menschen mit geringerer Erfüllung dreier psychologischer Grundbedürfnisse, insbesondere Verbundenheit (das Bedürfnis nach enger Verbindung zu anderen), deutlich höheres FOMO berichteten. Je weniger verbunden du dich mit deinem eigenen Leben fühlst, desto bedrohlicher werden die Highlights anderer.
Deshalb schlägt FOMO selten zu, wenn es dir gut geht. Es steigt in Phasen der Einsamkeit, des Umbruchs oder der Unzufriedenheit, wenn die Kluft zwischen dem, was du brauchst, und dem, was du hast, am größten erscheint.
Was du damit anfangen kannst
- Denk an Verbindungen, die du schon hast. In denselben Experimenten verspürten Teilnehmer, die sich an ein bedeutsames gemeinsames Erlebnis erinnerten, deutlich weniger FOMO, nachdem sie Beiträge von Veranstaltungen gesehen hatten, die sie verpasst hatten. Die Verbindung, die du schon hast, ist das Gegenmittel.
- Reduziere den Feed. Ein kontrolliertes Experiment, bei dem die Social-Media-Nutzung auf 30 Minuten pro Tag begrenzt wurde, zeigte über drei Wochen eine signifikante Abnahme von Einsamkeit und Depression. Setz dir ein tägliches Bildschirmzeit-Limit oder verschiebe Social-Media-Apps von deinem Startbildschirm.
- Betrachte es als Signal. FOMO sagt dir nicht, dass du zu allem Ja sagen sollst. Es zeigt auf ein Bedürfnis nach Nähe oder Sinn, das gerade nicht vollständig erfüllt wird. Wenn es das nächste Mal zuschlägt, frag dich, welche Verbindung du wirklich brauchst, und dann melde dich bei jemandem, der dir schon wichtig ist.