Du kannst alles wiederholen, was jemand gerade gesagt hat, und die Person trotzdem mit dem Gefühl zurücklassen, überhaupt nicht gehört worden zu sein. Die Worte kamen an, aber irgendetwas fehlte.
Wenn du schon einmal auf der anderen Seite davon warst – mit jemandem gesprochen hast, dessen Augen auf dir lagen, dessen Aufmerksamkeit aber woanders war – kennst du den Unterschied zwischen Hören und Zuhören bereits. Hören passiert automatisch. Dein Gehirn registriert Geräusche ohne Anstrengung, genauso wie es Hintergrundgeräusche registriert. Zuhören erfordert mehr: Aufmerksamkeit, Interpretation und die bewusste Entscheidung, sich mit dem zu befassen, was jemand meint – nicht nur mit dem, was er gesagt hat.
Was Zuhören im Gehirn bewirkt
Eine Neuroimaging-Studie ergab, dass bei Menschen, die das Gefühl hatten, dass ihnen aktiv zugehört wurde, das ventrale Striatum (ventral striatum) aktiviert wurde. Das ist ein zentraler Teil des Belohnungssystems (reward system) des Gehirns. Zuhören fühlt sich nicht nur angenehm an. Dein Gehirn verarbeitet es auf dieselbe Weise, wie es etwas Wertvolles empfangen verarbeitet.
Die Auswirkungen gehen tiefer. Eine Reihe von fünf Experimenten mit über 1.600 Teilnehmenden ergab, dass qualitativ hochwertiges Zuhören das Gefühl von Einsamkeit deutlich reduzierte, besonders wenn Menschen über schmerzhafte soziale Erfahrungen wie Ablehnung sprachen. Die Effektgröße war groß. Sprechende fühlten sich dem Zuhörenden näher und freier, sie selbst zu sein. Dieses Muster hielt sich über persönliche Gespräche, Videoanrufe und schriftliche Szenarien hinweg.
Wie du besser zuhören kannst
Aktives Zuhören (Active Listening), ein Konzept aus der humanistischen Psychologie, ist eine Fähigkeit, die du üben kannst. Ein paar Wege, damit anzufangen:
- Spiele ein kürzliches Gespräch noch einmal ab. Denke an das letzte Mal, als dir jemand etwas Wichtiges erzählt hat. Hast du die Worte verarbeitet oder bereits deine Antwort formuliert? Das Muster zu bemerken ist der erste Schritt.
- Gib wieder, bevor du antwortest. Wenn das nächste Mal jemand etwas mit dir teilt, fasse still für dich zusammen, was die Person gesagt hat, bevor du antwortest.
- Frage, wie es sich angefühlt hat, nicht nur was passiert ist. Eine Frage, die ein Gespräch von der Oberfläche in die Tiefe bringt: „Wie hat sich das angefühlt?" Sie signalisiert, dass du der Person zuhörst, nicht nur der Geschichte.
Deine Ohren hören automatisch. Zuhören ist der Teil, den du bewusst wählst.