Ein Auto macht eine Fehlzündung und dein Herzschlag verdoppelt sich. Ein bestimmter Geruch versetzt dich sofort zurück in diesen Raum. Die Erinnerung ist nichts, was du abrufst. Sie ist etwas, das dir widerfährt, in deinem Körper.
Genau das unterscheidet die posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) von einer schlechten Erinnerung. Dein Gehirn ordnet das Erlebnis nicht falsch ein. Es schafft es gar nicht, es einzuordnen.
Warum sich traumatische Erinnerungen anders anfühlen
Gewöhnliche Erinnerungen werden über den Hippocampus verarbeitet, die Hirnregion, die Erlebnisse in eine Zeitlinie einordnet. Eine Neuroimaging-Studie mit 28 Menschen mit PTBS zeigte, dass traurige Erinnerungen den Hippocampus bei allen in demselben Muster aktivierten. Traumatische Erinnerungen taten das nicht. Die Aktivität wurde fragmentiert, bei jedem Menschen einzigartig. Stattdessen wurde eine andere Region aktiviert (der posteriore cinguläre Cortex), die das Trauma nicht als Erinnerung, sondern als Gegenwartserlebnis verarbeitete.
Deshalb fühlt sich ein Flashback nicht wie Erinnern an. Es fühlt sich an, als würde es gerade wieder passieren.
Wie festsitzende Erinnerungen sich lösen
Jedes Mal, wenn du eine Erinnerung abrufst, wird sie kurzzeitig flexibel, bevor sie erneut gespeichert wird. Therapien nutzen dieses Zeitfenster, das als Rekonsolidierung von Erinnerungen (memory reconsolidation) bezeichnet wird. Die Prolongierte Expositionstherapie (Kognitive Verhaltenstherapie, CBT) besucht die Erinnerung in einem sicheren Rahmen erneut, bis dein Gehirn lernt, dass sie nicht das Ereignis selbst ist. Eye Movement Desensitization and Reprocessing (EMDR) kombiniert das Erinnern mit geführten Augenbewegungen, um Fragmente zu einer zusammenhängenden Erzählung zu formen.
Was du jetzt sofort tun kannst
- Benenne es als Erinnerung. Wenn ein Flashback kommt, sag laut: „Ich erinnere mich, ich erlebe es nicht noch einmal." Das Benennen hilft deinem Gehirn, es als Erinnerung einzuordnen.
- Verankere dich in der Gegenwart. Nimm fünf Dinge wahr, die du sehen kannst, und drei, die du berühren kannst. Das aktiviert den Hippocampus und holt dich ins Jetzt zurück.
- Verwende die Vergangenheitsform. Sag einen Satz über das Erlebnis mit „das ist passiert". Den Tempuswechsel zu vollziehen ist eine kleine Version dessen, was Therapie im großen Maßstab tut.
Wenn ein vergangenes Erlebnis immer noch dein Nervensystem kapert, ist das kein Fehler. Dein Gehirn hat genau das getan, wofür es unter Bedrohung gebaut wurde. Diese Schritte helfen, und professionelle Unterstützung kann noch weiter gehen.